Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Leiden

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Cluster Zuid: Strukturalismus anno 2020
Ende der 1970er-Jahre entwarf Architekt Joop van Stigt einen markanten Gebäudekomplex für die Fakultät für Geisteswissenschaften in Leiden: Cluster Zuid. Dieses Paradebeispiel für den niederländischen Strukturalismus wird nun nach einem Entwurf von De Zwarte Hond gründlich renoviert. Die Modernisierung ergänzt und verstärkt das Konzept des bestehenden Gebäudes und widerspiegelt folglich nicht nur die Ära, in der Joop van Stigt tätig war, sondern auch den heutigen Zeitgeist. Das renovierte Fakultätsgebäude wird mitten im alten Zentrum von Leiden einen wichtigen Bestandteil des neuen Campus der Geisteswissenschaften bilden.

Nach dem Umbau erhält die Fakultät ein gesundes, nachhaltiges Gebäude mit mehr Nutzern, mehr Tageslichteinfall, einer guten Frischluftzufuhr, einer ausgezeichneten Akustik und einem neuen zentralen Kern – das zukünftige Herzstück der Fakultät. Das bestehende Gebäude muss von 7.850 m² auf 11.400 m² vergrößert werden und bietet schließlich Platz für mehr als 700 Studienplätze, zwei Hörsäle, Arbeits- und Konferenzräume, Gemeinschaftsräume und die Bibliotheken des Afrika-Studienzentrums Leiden und des Niederländischen Instituts für den Nahen Osten.

Um die Quintessenz des ursprünglichen Gebäudes optimal zur Geltung zu bringen, hat De Zwarte Hond die zugrunde liegenden Entwurfsideen von Joop van Stigt gründlich untersucht. Architekt Jurriaan van Stigt, einer der beiden Architektensöhne von Joop van Stigt, ist in den Entwurfsprozess involviert und unterstützt bei den Abwägungen, die während der Renovierung getroffen werden müssen. Für die Erweiterung des Komplexes ging De Zwarte Hond sowohl im Entwurf als auch beim Materialeinsatz und den Details auf die Suche nach einer Schlichtheit, die zum bestehenden Gebäude passt und gleichzeitig den heutigen Zeitgeist repräsentiert.
Gebäudetypologie und Maßstab der Stadt
Ein ursprünglicher Aspekt des Bauwerks war die strukturalistische Proportionierung, die an die Gebäudetypologie und den Maßstab der bestehenden Stadt anschließt. Der Komplex besteht aus sieben individuellen Häusern, deren Breite jeweils der Breite zweier Leidener Grachtenhäuser entspricht, und wird von einem übersichtlichen Raster aus pilzförmigen Betonstützen durchzogen. Im Entwurf für die Renovierung richtet sich De Zwarte Hond nicht nur nach diesem Raster, sondern macht ihn und die Betonstützen sogar noch sichtbarer. „In unserem Entwurf heben wir die Wichtigkeit der Betonkonstruktion noch zusätzlich hervor“, erläutert Bart van Kampen, Architekt und Partner bei De Zwarte Hond, der an der TU Delft noch bei Professor Van Stigt studiert hatte. „Diese Betonkonstruktion wurde mit fachmännischem Können errichtet, das heutzutage selten geworden ist.“

Der Raster schafft Möglichkeiten für Flexibilität, die De Zwarte Hond in vollem Umfang nutzt. In Zukunft können Anpassungen sehr einfach durchgeführt werden, sodass das Gebäude immer den jeweiligen Anforderungen der Zeit entspricht.
Wissensaustausch
Die größte Veränderung stellt der Abriss des Gebäudes in der Mitte dar, das durch ein neues zentrales Gebäude mit einem großen Haupteingang ersetzt wird - im Gegensatz zu den früheren sieben Eingängen der einzelnen Häuser. Durch die zentrale Eingangshalle wird die Orientierung im neuen Komplex wesentlich verbessert. Dieser neue Mittelpunkt des Cluster Zuid fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl und den Wissensaustausch, der in der Wissenschaft so unentbehrlich ist. Auch die Bibliothek ist hier untergebracht: Die sichtbaren Bücherregale stehen Symbol für die verschiedenen Studienrichtungen, die in diesem Universitätsgebäude untergebracht sind. Durch das neue Dach fällt das Tageslicht großzügig herein - ein großer Kontrast zu dem introvertierten und dunklen Charakter des bestehenden Gebäudes.
 
Beton, Ziegel und Aluminium
Entsprechend der Architektur der Stadt Leiden sind die bestehenden Fassaden in Ziegelmauerwerk ausgeführt. Diese Ausstrahlung bleibt erhalten, denn der bestehende Komplex ist Teil eines „denkmalgeschützten Stadtbilds“. Der Universitätskomplex wird um ein „achtes Haus“ erweitert und das gesamte zweite Obergeschoss wird ersetzt. Um in den neuen Entwurf eine gewisse Ruhe zu bringen, hat sich De Zwarte Hond für einen Neubau entschieden, der lediglich ein einziges neues Material hinzufügt: eloxiertes Aluminium. Dieser neue Zubau hat seine Wurzeln in der zeitgenössischen Architektur und macht sichtbar, dass das Gebäude mit den jeweiligen Anforderungen der Zeit mitwachsen kann.
Zirkuläres Bauen
Der Großteil des bestehenden Komplexes wird renoviert. Der Rest wird so abgerissen, dass die meisten Baustoffe im Materialkreislauf eingebunden bleiben. Viele ursprüngliche Materialien werden aufbereitet und erhalten im renovierten Gebäude ein zweites Leben. So kommen etwa die besonderen Holzdecken in der transparenten Dachkonstruktion und den Akustikwänden neu zum Einsatz, werden die Ziegel des mittleren Gebäudes wiederverwendet, die Betonstützen versetzt und erneut verwendet, sowie Abbruchbeton zu Betongranulat zermahlen und als Zuschlag für Recyclingbeton verwendet. Materialien, die nicht im Cluster Zuid zum Einsatz kommen, können im Sinne des Urban Mining von anderen Architekten für ihre zirkulären Projekte „geerntet“ werden.
Breeam Excellent
Das renovierte Gebäude weist einen sehr geringen Energiebedarf auf. Da die ursprünglich sieben einzelnen Häuser miteinander zu einem kompakten Gebäude verschmelzen, reduzieren sich auch die Energieverluste. Dieser Effekt wird noch durch die neuen Gründächer verstärkt. Durch das sehr transparente Dach des neuen Kerns tritt viel mehr Tageslicht in das neue Gebäude. Eine gute Wärmedämmung, eine neue effiziente Haustechnik, Photovoltaikanlage und ein Aquifer-Wärmespeicher übernehmen den Rest. Nach der Modernisierung erhält der Cluster Zuid das Zertifikat BREEAM Excellent.

„In unserem Entwurf heben wir die Wichtigkeit der Betonkonstruktion noch zusätzlich hervor. Diese Betonkonstruktion wurde mit fachmännischem Können errichtet, das heutzutage selten geworden ist.“

Bart van Kampen
Architekt | Partner
Joop van Stigt und der niederländische Strukturalismus
Van Stigt arbeitete als junger Architekt im Büro von Aldo van Eyck und war auch am Entwurf des berühmten Burgerweeshuis in Amsterdam beteiligt, dem Paradebeispiel des niederländischen Strukturalismus. De Zwarte Hond ließ sich aber nicht nur vom niederländischen Strukturalismus inspirieren, sondern auch von Architekt Louis Kahn, der einen großen Einfluss auf das Werk von Joop van Stigt hatte. Kahns Yale Center for British Art diente als Vorbild für die Innenraumgestaltung der neuen Eingangshalle und der Bibliothek.

Campus der Geisteswissenschaften
Das Gebäude bildet gemeinsam mit der Universitätsbibliothek und dem Cluster Noord eine architektonische Dreiheit am Witte Singel. Die Renovierung des Cluster Zuid ist das dritte Projekt in der Erneuerung des Campus der Geisteswissenschaften. Mit der Modernisierung der Gebäude sorgt die Universität wieder für eine zeitgemäße Lehranstalt, die auf die verändernden Anforderungen von Universitätsgebäuden einspielt. Ziel ist eine attraktive Umgebung für die akademische Lehre zu schaffen, in der Studierende und Forscher/innen einen Beitrag zu den weltweit besten wissenschaftlichen Leistungen liefern können. Die Modernisierung des Cluster Zuid beginnt voraussichtlich im Sommer 2020.

Projektdaten

Projekt
Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Leiden

Standort
Leiden, Niederlande

Auftraggeber
Vastgoedbedrijf Universiteit Leiden

Zeitraum
2018 - 2022

Umfang
11.400 m2

Besonderheiten
BREEAM Excellent

Abbildungen
De Zwarte Hond, old photo: Jan Versnel & architectenbureau J. van Stigt

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Bart van Kampen
Bart van Kampen
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