Nissewaard bis 2040

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Entwicklungsperspektive für den ehemaligen Stadtentwicklungskern Spijkenisse
Unter dem Titel "Nissewaard im Jahr 2040 – zukunftsfähig und vernetzt" wurde ein Szenario entwickelt, das der Gemeinde Nissewaard, einer 2015 durch Zusammenlegung der Gemeinden Spijkenisse und Bernisse entstandenen jungen Gemeinde südlich von Rotterdam, Chancen und Zukunftsperspektiven aufzeigt. Vier Prinzipien bilden dabei die Grundlage: 1. die Entwicklung eines größeren und vielfältigeren Arbeitsplatzangebots, 2. der Ausbau des Wohnungsangebots bei gleichzeitiger Diversifikation, 3. die Verbesserung der Erreichbarkeit durch bessere Verkehrsanbindung sowie 4. die Entwicklung von nachhaltigem Grün und eine bessere Nutzung der Freiraumqualitäten in und um Spijkenisse. De Zwarte Hond hat diese Vision in einer Reihe von Workshops gemeinsam mit der Gemeinde, der Provinz, den Wohnungsbaugesellschaften, den Bildungsbehörden und anderen Interessenvertretern erarbeitet. Der Stadtrat von Nissewaard hat dem Masterplan am 6. Dezember 2017 zugestimmt.

„Um die Zukunftsfähigkeit der Gemeinde Nissewaard zu steigern, sollte das ursprünglich monofunktionelle Spijkenisse einen vielseitigeren Charakter bekommen. Dann werden aus großen gesellschaftlichen Veränderungen Chancen anstelle von Bedrohungen.“

Daan Zandbelt
Städtebauer / Architekt / Partner
Als ehemaliger Stadtentwicklungskern der 1950er bis 1970er-Jahre muss sich die Region um Spijkenisse mit einer Reihe von großen sozialökonomischen, gesellschaftlichen und räumlichen Herausforderungen auseinandersetzen: der Unausgewogenheit von Wohnungsangebot und Bevölkerungszusammensetzung, der Notwendigkeit einer umfassenden Umstrukturierung des veralteten Wohnungsbestands und der stark verbesserungswürdige Erschließung. Zudem kämpft die Gemeinde im Nachgang der weltweiten Finanzkrise mit akuten Problemen bei der Grundstücksvermarktung. Gleichzeitig bietet sich hier die Chance, die große Wohnungsbauaufgabe der Provinz Südholland anzugehen und zumindest einen Teil der immensen Wohnungsnachfrage in Spijkenisse befriedigen zu können. Nissewaard ist Teil der bandartigen Urbanisierungsstruktur der Metropolregion Rotterdam-Den Haag und den sogenannten Drechtsteden (Alblasserdam, Dordrecht, Hendrik-Ido-Ambacht, Papendrecht, Sliedrecht und Zwijndrecht), und bildet das Zugangsgebiet zum Delta der Provinz Zeeland. Auch der Ausbau der bereits vorhandenen Anbindung an das Nahverkehrsnetz der Region Rotterdam und und der nachhaltige Umbau des Hafens bieten gute Ausgangspunkte, um Spijkenisse zukunftssicher zu machen. Allerdings ist hierfür eine zusätzliche Verbindung über den Hartelkanal genauso unabdingbar wie der Bau des südlichen Abschnitts der Autobahn A4, der sogennanten A4-Zuid.

„Von einem kleinen Hafendorf an der Oude Maas wurde in den 1970er-Jahren ein Entlastungsort für Rotterdam, um so das Wachstum des Welthafens zu ermöglichen.“

Weiterentwicklung auf Grundlage der bestehenden Stadtstruktur
Ursprünglich beruhte die Stärke von Spijkenisse auf Monofunktionalität, heutzutage jedoch benötigt eine zukunftsfähige Gemeinde einen multifunktionalen Charakter: so kann ein überraschendes, vielseitiges, robustes, vitales und die gesellschaftliche Kohäsion förderndes Nissewaard entstehen. Die Zukunftsstrategie behandelt vier Schwerpunkte: Wohnen, Arbeiten, Mobilität sowie übergreifende Themenkomplexe. Für jedes dieser Themen werden kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen formuliert.
Arbeiten
In Nissewaard herrscht ein Ungleichgewicht von Wohnungsangebot zu Arbeitsmöglichkeiten. Lediglich die Schlafstadt Almere, vor den Toren Amsterdams, bietet noch weniger Arbeitsplätze. Daher sollten die Entwicklung von Arbeitsplätzen und der Ausbau von Bildungsmöglichkeiten stimuliert sowie gute Bedingungen für Unternehmer geschaffen werden. Die neuen Ausbildungsgänge in der Stadt sollten mit den Arbeitsmöglichkeiten in Hafen und Industrie in Verbindung stehen. Unternehmerische Initiativen sollten durch das Angebot von neuen Wohnmodellen, z. B. "Wohnen und Arbeiten unter einem Dach" oder "Bedürfnisgerechtes Wohnen" ermöglicht werden. Dafür bieten sich vier Ansatzpunkte: 1. der Wandel der Hafenwirtschaft unter anderem zum Thema "sicherer Hafen", 2. der Ausbau der Grundversorgung des Gebiets Voorne Putten, 3. zusätzliche Freizeit- und Tourismusangebote für die Metropolregion sowie 4. die generelle Förderung von unternehmerischen Aktivitäten. All dies sollte in enger Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen und Unternehmern entwickelt werden. Dabei sollten Bildungsangebote und Unternehmen miteinander verknüpft und in der Nähe von Nahverkehrsknotenpunkten angesiedelt werden, so dass beides für Studierende aus der gesamten Region leicht zu erreichen ist.
Mobilität
Die Infrastruktur von Nissewaard basiert auf drei Kernelementen: dem Hauptstraßennetz mit dem Zentrumring als wichtigstem Element, dem U-Bahn-Netz mit drei Stationen und den sogenannten grün-blauen Landschaftsstrukturen (u.a. Wander- und Wasserwege), die Spijkenisse mit der umliegenden Landschaft verbinden. Zukünftige Maßnahmen sollten diese bestehenden Strukturen in ihrer Gesamtheit verstärken. Gemeinsam mit regionalen Partnern und übergeordneten Behörden sollte eine zusätzliche Verbindung über den Hartelkanal in Angriff genommen werden. Die bereits jetzt gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln sollte intensiver genutzt werden, indem die direkte Umgebung der Bahnhöfe gezielt entwickelt wird, einschließlich Programmen zur besseren Verteilung des Reiseverkehrs sowie besseren Parkmöglichkeiten. Darüber hinaus sind die Verbesserung der Fahrradrouten von Spijkenisse in die unmittelbare Umgebung sowie beharrliche Lobbyarbeit für den Bau des Autobahnabschnitts A4-Zuid erforderlich.
Wohnen
Der derzeitige Wohnungsbestand aus monotonen Stadtvierteln der 1970er und 1980er-Jahre sollte erweitert und differenziert werden. Mit einer breiten Palette unterschiedlicher Wohnungsangebote werden unterschiedliche Bewohner angezogen. Daher sollten innerhalb der Quartiere Wohnungen für die verschiedenen, sich im Laufe des Lebens verändernden Wohnanforderungen angeboten werden. In der Umgebung vorhandene Qualitäten sollten gestärkt werden: Die gute Erreichbarkeit der öffentlichen Verkehrsmittel, insbesondere auch rund um die U-Bahn-Stationen, sollte gewährleistet sein, und die landschaftlichen Qualitäten des Stadtrandes und der Grünanlagen sollten herausgearbeitet werden. Die Umstrukturierung der Stadtteile sollte allgemein eine Verringerung der Wohndichte bei gleichzeitiger Schaffung qualitativ hochwertiger Grünbereiche bewirken, an bestimmten Standorten aber gezielt auf Verdichtung setzen. Die neuen Aufgaben, die im Zusammenhang mit der Energiewende und dem Klimawandel gemeistert werden müssen, sollten mit komfortablen Wohnangeboten für ältere Menschen, die ihnen das selbstständige Wohnen in gewohnter Nachbarschaft ermöglichen, sowie der Verbesserung der Lebensqualität in den einzelnen Stadtteilen einhergehen.
Übergreifende Themenkomplexe
Gutes Grün ist Gold wert. Nissewaard könnte seinen Bezug zur Landschaft stärker in den Vordergrund stellen. Dieses Potenzial sollte man nutzen, um attraktive Lebenswelten zu schaffen, die die gesamte Region ansprechen. Die hochwertigen Grünräume in und um Spijkenisse, einschließlich der Region Bernisse, sollten intensiver genutzt werden. Erforderliche Maßnahmen zur Wasserspeicherung und Naturentwicklung sollten sowohl mit ökonomischen Perspektiven als mit der Schaffung eines attraktiven Lebensumfeldes verknüpft werden.

„Spijkenisse hat als ehemaliger Stadtentwicklungskern aufgrund ihrer landschaftlich attraktiven Lage am Rande des Rhein-Maas-Deltas einen charakteristischen Standortvorteil gegenüber anderen Städten der Metropolregion Rotterdam-Den Haag, wie Zoetermeer und Capelle, und kann diesen auch erfolgversprechender nutzen.“

Spijkenisse Zentrum verbindet Stadtteile und Quartiere
Spijkenisse Süd-West bietet verschiedene charakteristische grüne Wohngebiete

Die Entwicklungsperspektive steht hier in niederländischer Sprache zum Download bereit.

Projektdaten

Projekt
Nissewaard bis 2040

Standort
Nissewaard, Niederlande

Umgebung
Entwicklungsperspektive für den ehemaligen Stadtentwicklungskern Spijkenisse

Auftraggeber
Gemeente Nissewaard

Zeitraum
2017 - 2017

Umfang
9.882.000.000 m2

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Daan Zandbelt
Daan Zandbelt
Stadtplaner | Architekt | Partner
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